Sarah Iwanowski: Von der Insel in die Tropen

Ein weiterer Blick hinter die Kulissen bei Tropen Berlin: Drei Lektor*innen werden zukünftig über das Programm entscheiden. Und diese Drei wollen wir euch in den nächsten Wochen näher vorstellen – den Auftakt bildet Sarah Iwanowski.

Für das geschriebene Wort konnte sich Sarah Iwanowski schon immer begeistern. Entsprechend früh – direkt nach dem Abitur – führte sie der Weg, erst als Praktikantin, später auch freiberuflich, zum Fehmarnschen Tageblatt. Denn die Lektorin für Belletristik und Krimis, die seit Januar Teil des neuen Tropen-Teams ist, wuchs da auf, wo andere Ferien machen: auf Fehmarn.

Sie hatte damals fest vor, Journalismus zu studieren. Erst ein mehrmonatiger Aufenthalt auf Kuba änderte das. „Die Erfahrung hat mich rausgehebelt aus allem, was ich vorher erlebt habe“, sagt sie. Die Ambivalenzen des Inselstaats inspirierten sie dazu, erste Kurzgeschichten zu schreiben. Danach studierte Sarah Kreatives Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, wo sie ihr Gespür für Figurenentwicklung, Dramaturgie und Erzählperspektive verfeinerte. Langsam kam sie ihrer heutigen Arbeit näher. „Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich einen Blick dafür habe, Texte in sich stimmig zu machen. Ins enge Zwiegespräch mit einem Text zu gehen, ist etwas, das ich unglaublich befriedigend finde.“ Und somit wandte sich Sarah Iwanowski dem Lektorat zu. „Es war eine bewusste Entscheidung.“ Zu wissen, wie man sich als Autorin fühlt, ist dabei sehr nützlich: „Als Lektorin hilft es mir, die Perspektive der Schreibenden zu kennen. Man muss den Text in guten Händen wissen.“

Es folgten Praktikum und Volontariat im Belletristiklektorat des Berlin Verlags. Als sie mit ihrem Freund für einige Zeit nach Istanbul ging, beschloss Sarah, sich selbstständig zu machen, und lektorierte Romane unter anderem für Fischer, C. H. Beck, Piper und Aufbau. Schließlich rief wieder Berlin: Beim Aufbau Verlag arbeitete sie als Lektorin für deutschsprachige und internationale Literatur. Dort lernte sie auch Tom Müller kennen, der sie später zu Tropen holen sollte. „Ich kam mitten hinein in eine Umbruchsphase: Der Verlagsleiter wechselte zu einem anderen Verlag, während Tom gerade erst aus einem Sabbatical zurückkam.“ Gemeinsam mit allen Kollegen stemmten sie das Programm. „Eine solche Situation schweißt extrem zusammen.“ In diese Zeit fällt auch die Entdeckung von Gianna Molinari, die mit Hier ist noch alles möglich für den Deutschen Buchpreis 2018 nominiert war. Ein Roman, der Sarah besonders wichtig ist; quasi von der ersten Zeile an wusste sie, dass sie ein außergewöhnliches Manuskript vor sich hatte. „Von diesen Büchern gibt es nicht viele.“

Was uns zu der Frage bringt: Welche Literatur begeistert sie denn? Schwierig, darauf nicht mit Allgemeinplätzen zu antworten. Auch Sarah muss überlegen. „Ein Text muss etwas ins Schwingen bringen, eine neue Perspektive eröffnen“, sagt sie. „Das Erstaunliche ist: Das merkt man sehr schnell.“ Neben literarischen Titeln freut sie sich darauf, zukünftig auch (deutschsprachige) Krimis zu betreuen. Carmen Maria Machado, deren zweites Buch nach Ihr Körper und andere Teilhaber bereits von Tropen akquiriert wurde, wird sie zukünftig ebenfalls betreuen. „Das ist Literatur, die ich machen möchte.“