Lesen in Zeiten von Corona: Der »Literaturclub« im April

3:1 für Tom Kummers »Von schlechten Eltern« ging am Dienstag, 14. April 2020, die Literatur-Diskussion im Schweizer Fernsehen aus. Nicola Steiner, Elke Heidenreich und Reina Gehrig waren sich einig: ein einzigartiges Buch und eine Leseempfehlung. Allein Philipp Tingler kritisierte den journalistischen Stil des Textes.

Worum geht es in »Von schlechten Eltern«?
Tom Kummer, geboren 1961 in Bern, ist ein Schweizer Autor. Sein neuer Roman »Von schlechten Eltern« ist nicht frei erfunden, sondern basiert auf einer Autobiografie.

Der Erzähler Tom arbeitet als VIP-Fahrer, holt hohe Angestellte von Pharmaunternehmen und Diplomaten vom Flughafen ab und bringt sie nach Zürich oder Bern. Unterwegs durch die Nacht entspinnen sich Dialoge, die von großer Fremdheit und unheimlicher Intimität sind. Währenddessen führen die Gedanken des Fahrers immer auch weg von der Straße, hin zu den Wanderungen mit seinem Vater zum schwarzen Mönch, noch öfter hin zu Nina, seiner verstorbenen Frau. Sie ist Gast auf jeder Fahrt, flüstert ihm ein, zieht ihn hin zu den Narben der Landschaft. Orte, an denen schwere Unfälle geschehen sind, Flugzeugabstürze und andere Machtproben des Schicksals. Morgens nach der Arbeit setzt er sich ans Bett seines schlafenden Sohnes, legt die Hand auf seine Haut, versucht, eine Zukunft zu sehen. Auf dunstverhangenen Straßen nähert sich Tom Kummer auf eindringliche Weise der großen Unbekannten des Lebens: dem Tod.


»Diese Atmosphäre ist es auch, die mich überzeugt hat. (…) Es ist ein Sound, der diese tiefe Trauer über den Verlust der Frau, seiner Gattin, in sich trägt, all den Schmerz. Es ist ein sehr intimes Buch. Wirklich wie eine Musik, die sich durch das ganze Buch zieht, in Moll geschrieben.«

Nicola Steiner


»Das Buch hat mich total überzeugt. Das ist ein Roadmovie, ein Heimatroman, ein Trauerroman. (…) Das finde ich alles sehr bewegend. Und es ist unter all dem Obskuren, was er da beschreibt, (…) ist es ein sehr zärtliches Buch, ein sehr liebevolles Buch. Mich hat es bewegt und gerührt. (…) Dieses Elend, dieses Leid, was er da durchmacht, das höre ich so zum ersten Mal, und ich finde, er hat das bravourös geschrieben.«

Elke Heidenreich


»Tom Kummer schafft es in seiner Beschreibung, einem das Gefühl zu geben, das ist hier ein Ort, da passiert was, das ist ein spezieller Ort, ein interessanter Ort. (…) Es ist so ein atmosphärisches Buch. Diese Nachtatmosphäre. (…) Er zeichnet ein anderes, unbekanntes, ein aufregendes Bild der Schweiz. (…) Es ist wie eine Momentaufnahme, es ist dieses Gefühl, das da auch ausgebreitet wird. Das macht er großartig.“

Reina Gehrig (Soluthurner Literaturtage)

Den Link zur Sendung zum Nachschauen gibt’s hier.
Tom Kummers Buch wird als erstes besprochen. Unbedingt reinschauen!

Tom Kummer
Von schlechten Eltern
245 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50428-6
22, – € (D), 22,70 € (A)
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