Fridays for Future zu Zeiten von Corona

Redet noch jemand über das Klima, jetzt da das Corona-Virus in den Köpfen aller gewahr wurde? Zuletzt war es auch um Fridays for Future ruhiger geworden. Kein Wunder: Aufgrund der zunehmenden Verbreitung des Corona-Virus SARS-CoV-2 und der präventiven Maßnahmen gegen dieses sind Demonstrationen nicht mehr möglich. Letzte Woche, am 24. April 2020, hat die Fridays for Future-Bewegung trotzdem zum fünften Mal zum globalen Klimastreik aufgerufen. Und weil man in diesen Tagen nicht auf die Straße gehen kann, haben sie den Protest ins Netz verlegt. Digital und mit Abstand. Doch, wie verschafft sie sich Aufmerksamkeit trotz der Pandemie?

Die zwei Grundpfeiler von Fridays for Future sind die größte Krise der Welt und Massenproteste. Und jetzt haben wir auf einmal eine andere Krise, die die größte Krise der Welt ist und Massenproteste funktionieren nicht mehr.

Luisa Neubauer im Podcast Alles gesagt? von ZEIT ONLINE

Wann hat es eigentlich das letzte Mal richtig geregnet? Auch im Jahr 2020 sind die Böden ungewöhnlich trocken. Waldbrände sind keine Seltenheit geworden. Das Thema Klimaschutz rückt bei diesen und ähnlichen Meldungen wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Ebenso durch den Earth Day. Dieser findet alljährlich am 22. April weltweit und mit vielen Aktionen in über 150 Ländern statt. Leider war es auch um den Earth Day dieses Jahr stiller gewesen als geplant. Die Veranstaltungen zum 50. Jahrestag mussten ebenfalls aufgrund der zunehmenden Verbreitung des Corona-Virus verschoben werden. Einige werden aber vermutlich während der Earth Week im September nachgeholt.

Letzten Freitag demonstrierten Fridays for Future zum fünften Mal global, denn das Thema Klimawandel und die Notwendigkeit, die Politik stetig daran zu erinnern, verschwinden wegen Corona nicht! Global denken und lokal handeln ist weiterhin eine wichtige Devise – denn wir haben keinen Planeten B. Eigentlich wären Hunderttausende in ganz Deutschland für das Klima auf die Straße gegangen. Doch wegen der Corona-Pandemie können die Aktivist*innen schon seit Wochen nur eingeschränkt mit ihren probaten Mitteln protestieren. Deshalb versuchte die Bewegung im Internet so laut wie möglich zu werden. Unter den Hashtags #FightEveryCrisis und #NetzstreikfürsKlima posteten Aktivist*innen auf Twitter und Instagram Bilder von den Plakaten, mit denen sie normalerweise auf der Straße unterwegs gewesen wären. Außerdem gab es einen Live-Stream, bei dem sich bereits innerhalb der ersten halben Stunde laut Fridays for Future mehr als 19 000 Zuschauer*innen zugeschaltet hatten. Live gesendet wurde unter anderem vom Bundestag in Berlin, wo Tausende Schilder verschiedener Ortsgruppen niedergelegt wurden, die ein Umdenken in der Klimapolitik forderten. Der Clou: Vor Ort waren dafür nur 20 Menschen.

Verstehen wir jetzt, dass dem Weltklima total egal ist, welche politischen Probleme wir gerade haben? Und wenn eine Lehre aus Corona ist, dass wir Krisen früher ernst und wahrnehmen – super! Dann lasst uns das bei der Klimakrise machen.


Luisa Neubauer im Podcast Alles gesagt? von ZEIT ONLINE

An der Spitze der Fridays for Future-Bewegung in Deutschland befindet sich die Hamburger Geografiestudentin Luisa Neubauer. Im Podcast Alles gesagt? von ZEIT ONLINE erklärt die 24-Jährige, wie ihre Bewegung jetzt versucht, die Klimadebatte wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen – in Zeiten, in denen Demonstrationen auf der Straße aus gesundheitlichen Gründen verboten sind. Sie erzählt den Gastgebern Jochen Wegner, Chefredakteur von ZEIT ONLINE, und Christoph Amend, Chefredakteur des ZEITMagazins, warum ihre Großmutter bis heute ihr großes Vorbild ist, dass bei Fridays for Future Videobesprechungen auch mal bis nachts um halb zwei gehen können – und von ihrer Freundschaft zu Greta Thunberg, der Fridays for Future-Gründerin.

Unbedingt hier reinhören!

Wird uns die Klimakatastrophe überwältigen? Wir sind am Scheideweg. Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, alle müssen aktiv werden. In ihrem Buch »Vom Ende der Klimakrise« , das die Fridays for Future-Aktivistin Luisa Neubauer zusammen mit dem Politökonom Alexander Repenning geschrieben hat, bringen sie Theorie und Praxis zusammen und entwerfen einen Weg in die Zukunft. Denn es gibt eine Chance auf ein Ende der Klimakrise. Wenn wir sie jetzt ergreifen.

Luisa Neubauer und Alexander Repenning
Vom Ende der Klimakrise. Eine Geschichte unserer Zukunft
304 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-50455-2
18,– € (D), 18,50 € (A)

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