Das war das LCB Sommerfest von Tropen

Vor knapp zwei Wochen, am 31. August 2019, durften wir zum ersten Mal das renommierte Sommerfest des Literarischen Colloquiums Berlin ausrichten. Das LCB Sommerfest fand bei strahlendem Sonnenschein, tropischen Temperaturen und vor traumhafter Kulisse direkt am Wannsee in Berlin statt. Rund um unsere Neuerscheinungen gab es ein tolles Tagesprogramm mit zahlreichen Autorinnen und Autoren sowie vielen Aktionen. Für alle, die an diesem Tag leider nicht mit dabei sein konnten, schwelgen wir heute in Erinnerungen:

Ariadne von Schirach sprach zusammen mit Tom Kraushaar über das große Rätsel „Mensch“ und »Die psychotische Gesellschaft«. Geht es in jeder unserer Tätigkeiten mittlerweile nur noch um Gewinnmaximierung und Perfektion? Angesichts einer immer verrückter werdenden Gegenwart ist es laut der Autorin an der Zeit, uns wieder an unsere Würde, unsere Träume und unsere Verantwortung für unser eigenes und gemeinsames Leben zu erinnern. Ihr Buch, »Die psychotische Gesellschaft«, ist eine hellsichtige Analyse unserer ökonomisierten Gesellschaft und zugleich ein leidenschaftliches Plädoyer für einen anderen Umgang mit Natur, Menschsein und Liebe, was sie auch in ihrem Gespräch deutlich betonte.

Während David Blum und Leonard Marx auf der Fußballbühne aus »Herz und Rasen. 11 Kurzgeschichten über Fußball« lasen, sprach auf der Bühne direkt am Wannsee Sam Byers mit Michal Hvorecky über Dystopien, Realitäten und britische Arroganz. Der politische Kurs hat sich in den letzten Jahren scheinbar radikalisiert. Sein Buch »Schönes Neues England« entwirft das Panorama einer Gesellschaft nach dem Brexit, deren Verwerfungen auch persönliche Beziehungen erschüttern. Wie wollen wir wohnen und arbeiten? Und was wollen wir mit niemandem teilen? Eine hochintelligente Gesellschaftssatire, die die Fragen der Gegenwart auf die Spitze treibt und die Figuren des Romans mit den Ängsten konfrontiert, die unter einer scheinbar hippen Oberfläche lauern.

Politisch ging es direkt weiter: Mareike Nieberding diskutierte zusammen mit Andrea Hanna Hünniger über Jugend und Politik. Jugendbewegungen wie Fridays for Future oder March for Our Lives machen unmissverständlich klar: Die Jugend will über die Zukunft mitentscheiden. Dennoch ist sie ist in der Unterzahl und sie wird es bleiben. Mareike Nieberding ist deshalb der Meinung, dass junge Menschen lauter werden müssen, sich mittendrin engagieren und nicht fernab des politischen Betriebs. Sie erklärte, wie das Engagement nicht auf der Straße verhallt und warum Jung und Alt endlich anfangen müssen, gemeinsam für das Morgen zu kämpfen, nicht gegen-, sondern füreinander. Wie man als junger Mensch die Politik in seinen Alltag integriert und den Alltag der Jugend in die Politik zeigt sie auch in ihrem Buch »Verwende deine Jugend«.

Tom Kummer und Saskia de Coster sprachen kurz darauf über autobiographisches Schreiben. Wie viel Reales steckt in ihren Romanen? Ihre 2020 bei Tropen erscheinenden Werke setzen sich mit tiefgründigen Fragen auseinander: Was macht einen zur Mutter? Was macht ein perfektes Familiengefüge aus?

»Wir sind die Ersten, die die Klimakrise zu spüren bekommen und die Letzten, die noch etwas ändern können.«

Luisa Neubauer

Blicken wir optimistisch in die Zukunft? Ja und nein: Das strahlende Wetter und die tropischen Temperaturen am Wannsee lassen gerne vergessen, dass in Sachen Klima die Prognosen inzwischen sehr genau und ebenso erschreckend sind. Die Menschheit steht am Scheideweg. Wenn wir jetzt nicht den Kurs ändern, schaffen wir uns selbst ab.
Die Special Guests des Tages, Luisa Neubauer und Alexander Repenning, lasen aus dem Manuskript zu ihrem im Oktober beim Tropen Verlag erscheinende Buch »Vom Ende der Klimakrise. Eine Geschichte unserer Zukunft«. Darin und in ihrem Gespräch am Wannsee zeigen Neubauer und Repenning Lösungsansätze auf, die bereitliegen und endlich in die Tat umgesetzt werden müssen. Sie zeigen aber auch, mit welcher Haltung wir dieser Ausnahmesituation begegnen können: unerschrocken, aber besonnen. Und unnachgiebig gegenüber denen, die über unsere Zukunft entscheiden. Denn die letzte Chance auf ein gutes Ende der Klimakrise ist jetzt. Es gibt keinen Planeten B. Jeder muss sich informieren und organisieren, um die Zukunft zu retten.

»Während wir uns weiterhin einreden, dass alles gut werden wird, steigen die Emissionen ins Unermessliche.«

Alexander Repennning

Für Krimifans war auch einiges geboten: Thomas Palzer sprach mit Richard Kämmerling auf der Terrassenbühne über seinen Noir »Die Zeit, die bleibt«.
Kurz darauf sprach Mons Kallentoft über die Entstehung seiner weltweit erfolgreichen schwedischen Krimiserie um Zack Herry und Malin Fors. »In den Klauen des Falken« erscheint übrigens am 26.10 bei uns im Tropen Verlag. Pascal Engman, ehemaliger Journalist des schwedischen »Expressen«, war ebenfalls zu Gast in Berlin. Nach massiven rechtspopulistischen Drohungen gegen ihn und seine Kollegen zog er sich 2016 aus dem Journalismus zurück, um sein Thrillerdebüt »Der Patriot« zu schreiben.

Stuart Turton charming the crowd!
Als die Sonne bereits langsam versank, sprach Stuart Turton über seinen Kriminalroman »Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle«. Die Idee kam ihm in einem Flugzeug und hat schließlich drei Jahre gebraucht, ehe sie komplett zu Papier gebracht war. Er beobachtete dazu viele verschiedene Menschen, um die Charaktere so glaubhaft wie möglich darstellen zu können. Besonders auf die kleinen Details und Verhaltensweisen kam es ihm dabei an.

Außerdem mit dabei waren Simon Strauß und Hallgrímur Helgason.

Sie ist Sprachwissenschaftlerin, Rapperin, Performance-Künstlerin, Schauspielerin, Modemacherin und Autorin. Im Alter von zwölf Jahren begann sie zu rappen und ist einem breiten Publikum als Dr. Bitch Ray bekannt: Reyhan Şahin.  Nach ihrem Magisterabschluss in Linguistik und Germanistik verfasste sie die erste empirische Studie zum Bedeutungsgehalt des muslimischen Kopftuchs, die mit dem Deutschen Studienpreis ausgezeichnet wurde. Zusammen mit Autorin Elisabeth R. Hager ergründete sie als letzter Act des Tages die Anfänge ihrer Karriere als Rapperin, die Bedeutung ihres Namens und sprach über die Entstehung ihres Buches »Yalla, Feminismus«, welches am 21.09 bei Tropen erscheint.

Im Anschluss an das Sommerfestprogramm startete die große Aftershowparty. Die Musik- und Filmemacherin Afagh Irandoost sorgte am DJ-Pult für den richtigen Sound. Wir kennen sie bereits von unserer ersten Berliner Read Parade im Mai.

Literatur für das, was passiert, eine Gruppe von Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die sich zusammengetan haben, um mit ihrem Schreiben Menschen auf der Flucht zu helfen, haben an Schreibmaschinen Texte auf Wunsch verfasst. Egal ob Gedichte, Pamphlete, Haikus, Liebesbriefe, … Die dafür entgegengenommenen Spenden, insgesamt 240€, habe diese an Champions ohne Grenzen – interkulturelle Fußballprojekte für Geflüchtete gespendet. Eine tolle Sache, wie wir finden! Vielen Dank für solch ein Engagement!

Upcycling trifft einen guten Zweck: Am LCB verkauften wir unsere Taschen-Unikate. Im Wechsel präsentieren wir auf Werbebannern aktuelle Titel des Verlags. Anstatt diese Banner nach dem Austausch einfach wegzuschmeißen, kooperieren wir mit der Lederschmiede der Caritas Stuttgart, die ehemaligen Drogenabhängigen projektbezogen hilft, ihren Weg zurück ins Berufsleben zu finden. Sie kreieren aus diesen „Abfällen“ Unikate, Taschen mit überraschenden Designs.

Alles in allem war das LCB Sommerfest ein voller Erfolg! Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen bedanken, die im Vorfeld und am Samstag am Wannsee dazu beigetragen haben, dass das LCB Sommerfest so ein schönes Ereignis geworden ist.

Copyright übrige Fotos: Brigitte Winter, Roland Sazinger, Carolin Titze